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Deutschland im Winter
Die politische Situation in der wir uns in Deutschland derzeit befinden erscheint mir in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die erste Pandemie, dieses Landes, oder die Zweite, wenn man HIV mal außen vor lässt, und das tun wir deutschen, denn Sex ist Schmutzig und wir haben keinen Sex, und wenn, dann reden wir nicht drüber. Außerdem bekommen doch nur Schwule und Junkies Aids, oder?

Und die Merkel tritt ab. Zum Glück erst nächstes Jahr, und zum Glück auch ohne murren. Denn einen Wahlkampf um das höchste Amt des Landes, der uns alle zwingt Partei gegeneinander zu ergreifen, ist nicht gerade das, was wir jetzt brauchen. Was genau das ist, dieses "was wir jetzt brauchen", das weis ich auch nicht so genau. Auf jeden Fall nach wie vor eine Menge Masken, Klopapier und Geduld. Davon werden wir noch einiges brauchen.

Der nächste Lockdown scheint unvermeidbar, aber alle versuchen so lange wie möglich das hinaus zu zögern in dem sie nicht darüber nachdenken, so lange es noch irgendwie geht. Wir reden noch darüber, was wir alles wieder machen wollen, wenn das alles vorbei ist, dabei ist eines Sicher: Jetzt ist es erst mal nicht vorbei. Jetzt geht es erst so richtig los. Der Winter kommt, und Game of Thrones ist vorbei. Diesmal kommt der echte Winter.

Und es wird ein harter Winter. In der Tagesschau hieß es kürzlich c.a. 5% aller Deutschen hätten repräsentativen Umfragen zufolge Anzeichen von Depressionen. Nun, das muss nicht unbedingt an der Pandemie liegen - vielleicht war das auch schon immer so. Aber trotzdem wird es hart. Stellt euch darauf ein, dass ihr an diesem Weihnachten viele Videokonferenzen mit besoffenen verwandten managen müsst. Mit denen, die noch leben.

Der Ausblick auf diesen Winter und das nächste Jahr gibt mir das Gefühl, dieser dubiose Tag X von dem die Geier in Uniform, die um Höckes Scheiß Haufen herum kreisen, so schwärmen könnte in Greifbarer Nähe sein. Und ich versuche darin etwas gutes zu sehen. Es riecht nach Veränderung. So geht es nicht weiter. Und zwar diesmal wirklich nicht. Wo die einen Probleme sehen, sehen die anderen Gelegenheiten. Geht es der Deutschland schlecht, geht es der Alternative für Deutschland gut. Einfache regel. Aber Gefahren eröffnen oft auch Möglichkeiten.

Dort, wo unsere etablierten, zentralisierten Strukturen an der Realität der Epidemiologie scheitern und zerbrechen entsteht ein neuer Raum für dezentrale Strukturen, die wir gestalten können. Neue Strukturen, die besser, nachhaltiger, und fairer sein können, als die alten. Aber dafür müssen wir sie mit gestalten. Und wir müssen schnell sein, denn wenn wir es nicht sind, werden andere kommen und den neu entstandenen Raum vermessen, verkaufen und restlos zu Rendite verarbeiten, bevor wir "aber was ist mit den Daten" auch nur denken können.

Also seit auf der Hut. Immer Wachsam, und zieht euch warm an, denn der Winter naht.
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