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Wem gehört die Welt? - Eine ganz andere Begründung des Bedingungslosen Grundeinkommens
Haben Menschen per Geburt ein Recht auf Eigentum an der Welt? Nein, natürlich nicht. Aber warum eigentlich nicht? Warum kommen wir auf die Welt und besitzen nichts außer dem, was unsere Eltern uns schenken? Wie begründen wir die Statik der Ordnung unserer Eigentumsverhältnisse? Nun, meine Erfahrung ist, dass wir die Ordnung der Dinge eher selten Begründen, einfach weil sich in unserem Leben nur selten die Notwendigkeit gibt die Ordnung der Dinge zu hinterfragen.

Irgendwann habe ich mal eine Geschichte gehört, in der es um Ureinwohner ging, deren Land von Europäern eingenommen wurde. Auf welchem Kontinent ist für die Moral der Geschichte nicht relevant. Das Problem der Ureinwohner war, dass sie die Europäer willkommen hießen, weil sie nicht in der Lage waren das europäische Konzept von Eigentum zu begreifen. Die Europäer sagten den Ureinwohnern ganz offen, dass sie jetzt Eigentum an dem Land beanspruchten, und die Ureinwohner hatten nichts dagegen. Warum auch? All die Bedeutungsebenen, die in der europäischen Kultur in dem Konzept des Eigentums mitschwingen, fehlten in ihrer Kultur. Die Idee, dass man Orte auf die selbe weise Besitzen könne wie Dinge oder Tiere, lässt sich Menschen deren Lebensraum noch überschaubar viel Platz zur Ausbreitung bietet einfach nicht vermitteln. Auch die Idee, dass mit diesem Eigentum das Recht auf Zerstörung und exklusive Nutzung der betroffenen Ressourcen beinhaltet, ist in Kulturen, die seit Jahrhunderten auf Nachhaltiges Überleben optimiert sind, unvorstellbar. Diese Idee ergibt nur im Kontext einer expandierenden Kultur einen Sinn. So kam es, dass die Ureinwohner erst begriffen, dass ihnen ihr Land gestohlen wurde, als sie mit Gewalt aus dem verbleibenden Rest dieses Landes vertrieben wurden.

Wem gehört eigentlich Deutschland? Wem gehört der Boden, auf dem wir uns bewegen? Glücklicherweise gibt es in Deutschland noch eine ganze Menge Fläche in der so genannten Öffentlichen Hand. Orte, die dem Staat gehören. Dem Staat, der wir sind. Aber wie viel davon gehört uns? Wie groß ist der Teil von Deutschland, der dem einzelnen Menschen gehört?

Ein Ansatz, den ich an dieser Stelle sehr schön finde, ist die Vorstellung, das gesamte Land zu gleichen Teilen unter all seinen Bewohnern aufzuteilen. So, als hätte jeder Mensch das Recht, auf ihrem eigenen Land, den eigenen Bedarf zu erwirtschaften. Natürlich ist es quatsch, das Land tatsächlich aufzuteilen. Allerdings wäre es durchaus möglich die Eigentümer dieses Landes, das wir alle Benutzen, dafür zu entschädigen, dass sie nicht über dieses Land verfügen können, obwohl ihnen dieses nach den Maßstäben anderer Kulturen durchaus zu stehen würde.

Mit der Staatsbürgerschaft könnte ein Verhältnis Abgebildet werden, dass nicht nur das Individuum mit dem Staat verbindet, sondern auch das Individuum mit dem Land. In einer Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen, die ich mir kürzlich einverleibt habe, sagte jemand es sei ihm unangenehm dem Staat gegenüber in ein Schuldverhältnis gezwungen zu werden. Dabei erscheint es mir sehr Sinnvoll ein Verhältnis zwischen den Individuen und den Ressourcen zu schaffen, in dem das Individuum ein Gefühl der Verantwortung gegenüber diesen Ressourcen beziehungsweise den zukünftigen Generationen, die den Anspruch auf diese Ressourcen teilen, wahrzunehmen. Oder, wenn sie diese Verantwortung nicht wahrnehmen, auch eine Schuld zu verspüren. Denn wir Tragen die Schuld für die Zerstörung dieser Ressourcen. Wir haben es bloß geschafft ein System zu etablieren in dem wir diese Schuld aus unserem Alltag weg abstrahieren können.

Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte eine Art Miete sein, die die Gemeinschaft den natürlichen Besitzern des Landes zahlt um diese dafür zu entschädigen, dass sie eben nicht mehr aus der Natur leben können. Eine Art Kultur-Dividende an die Natur.

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Veröffentlicht am: 18 Oktober 2020
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