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Rita Kimmkorn | @ritakimmkorn@pleroma.site

Spitzfindige Kolumnistin mit gutem Geschmack.

Lohnt es sich noch um Wälder zu kämpfen?
Ja. Natürlich lohnt es sich. Lasst euch von meinen Clickbait-Frage-Titeln nicht verunsichern. RWE soll kacken gehen. Kohle gehört in die Erde und Autobahnen haben wir auch genug. Über Hochgeschwindigkeitszüge ließe sich reden. Aber auch lieber nicht durch den Wald. Der deutsche Wald ist das schönste an diesem Land, wenn wir den nicht mehr haben, was bleibt uns dann noch?

Deutschland. Von den Alpen bis ans Meer, und dazwischen: Teer.

Ja, dieses zauberhafte kleine Gedicht habe ich mir von Mark Uwe Kling gemoppst, für dessen Bücher bestimmt auch irgendwo Wälder abgeholzt werden. Was an sich auch gar nicht so schlecht ist, weil der Kohlenstoff in so einem altmodisch klassischen Papier Buch immerhin nur im Regal einer prätentiösen Akademikerin herum staubt, statt in der Atmosphäre mal so richtig den Treibhaus swag zu flexen. Wälder sind Kompliziert. Ach, was, Wälder sind sogar Komplex. Manchmal ist es sinnvoll Waldbrände zu legen um Waldbrände zu verhindern, habe ich kürzlich irgendwo gelernt. Im Internet habe ich das gelernt, nicht im Wald. Aber egal.

Und der Wald ist wichtig. Sauerstoff und so. Und Artenvielfalt und so. Ihr wisst schon. Das Klima. Ich gucke mir gelegentlich Videos an, aus all den Wäldern in denen mutige junge Menschen gerade versuchen die kommende Katastrophe in die Löcher in ihren Lebensläufen zu stopfen. Ich schaue mir die Schlachten an, zwischen den gepanzerten Verteidigern der Fossilien Energie und den halbstarken, die zwar begriffen haben, dass es so nicht weiter geht, aber noch nicht, dass man den Staat nicht mit seinen eigenen Mitteln schlagen kann.

Manchmal lasse ich mich anstecken, von all dem jugendlichen Elan, und packe in Gedanken schon meinen Rucksack um mich an irgendeinen bedrohten Baum zu ketten. Aber dann denke ich darüber nach, dass ich in der selben Zeit, statt einen Baum in Mitteldeutschland zu retten, auch einen flüchtenden Menschen vor dem ertrinken im Mittelmeer retten könnte, oder vorm verhungern, oder vorm erschossen werden, und dann kommt es mir vor wie ein verschissenes Luxusproblem, dass hier ein paar Bäume gefällt werden sollen. Na und? Fällt in China ein Sack Reis um. Wen interessiert's? Leute, da sterben Menschen an unserer Grenze, jeden Tag, weil wir das zulassen. Und da opfert ihr eure Jugend für Bäume?

Aber für die Flüchtlinge mache ich ja auch nichts. Insgesamt mache ich in letzter Zeit bemerkenswert wenig. Wegen dieser Virus Geschichte, kennt ihr sicher. Es ist gerade ein schlechter Zeitpunkt für alles - weder Waldbesetzungen noch Fluchthilfe sind besonders ansteckungsarme Tätigkeiten. Und am ende sitze ich da, und weiß auch nicht, was das richtige ist. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich das richtige tun will. Das Leben ist kurz, und man kann nicht alle Kämpfe kämpfen. Mein Rat ist: Sucht euch einen Kampf, der sich wirklich lohnt. Und denkt wirklich gründlich darüber nach.

#rkk010 #RitaKimmkornsKolumne010 #wald #hambiBleibt
Veröffentlicht am: 19 Oktober 2020

Wem gehört die Welt? - Eine ganz andere Begründung des Bedingungslosen Grundeinkommens
Haben Menschen per Geburt ein Recht auf Eigentum an der Welt? Nein, natürlich nicht. Aber warum eigentlich nicht? Warum kommen wir auf die Welt und besitzen nichts außer dem, was unsere Eltern uns schenken? Wie begründen wir die Statik der Ordnung unserer Eigentumsverhältnisse? Nun, meine Erfahrung ist, dass wir die Ordnung der Dinge eher selten Begründen, einfach weil sich in unserem Leben nur selten die Notwendigkeit gibt die Ordnung der Dinge zu hinterfragen.

Irgendwann habe ich mal eine Geschichte gehört, in der es um Ureinwohner ging, deren Land von Europäern eingenommen wurde. Auf welchem Kontinent ist für die Moral der Geschichte nicht relevant. Das Problem der Ureinwohner war, dass sie die Europäer willkommen hießen, weil sie nicht in der Lage waren das europäische Konzept von Eigentum zu begreifen. Die Europäer sagten den Ureinwohnern ganz offen, dass sie jetzt Eigentum an dem Land beanspruchten, und die Ureinwohner hatten nichts dagegen. Warum auch? All die Bedeutungsebenen, die in der europäischen Kultur in dem Konzept des Eigentums mitschwingen, fehlten in ihrer Kultur. Die Idee, dass man Orte auf die selbe weise Besitzen könne wie Dinge oder Tiere, lässt sich Menschen deren Lebensraum noch überschaubar viel Platz zur Ausbreitung bietet einfach nicht vermitteln. Auch die Idee, dass mit diesem Eigentum das Recht auf Zerstörung und exklusive Nutzung der betroffenen Ressourcen beinhaltet, ist in Kulturen, die seit Jahrhunderten auf Nachhaltiges Überleben optimiert sind, unvorstellbar. Diese Idee ergibt nur im Kontext einer expandierenden Kultur einen Sinn. So kam es, dass die Ureinwohner erst begriffen, dass ihnen ihr Land gestohlen wurde, als sie mit Gewalt aus dem verbleibenden Rest dieses Landes vertrieben wurden.

Wem gehört eigentlich Deutschland? Wem gehört der Boden, auf dem wir uns bewegen? Glücklicherweise gibt es in Deutschland noch eine ganze Menge Fläche in der so genannten Öffentlichen Hand. Orte, die dem Staat gehören. Dem Staat, der wir sind. Aber wie viel davon gehört uns? Wie groß ist der Teil von Deutschland, der dem einzelnen Menschen gehört?

Ein Ansatz, den ich an dieser Stelle sehr schön finde, ist die Vorstellung, das gesamte Land zu gleichen Teilen unter all seinen Bewohnern aufzuteilen. So, als hätte jeder Mensch das Recht, auf ihrem eigenen Land, den eigenen Bedarf zu erwirtschaften. Natürlich ist es quatsch, das Land tatsächlich aufzuteilen. Allerdings wäre es durchaus möglich die Eigentümer dieses Landes, das wir alle Benutzen, dafür zu entschädigen, dass sie nicht über dieses Land verfügen können, obwohl ihnen dieses nach den Maßstäben anderer Kulturen durchaus zu stehen würde.

Mit der Staatsbürgerschaft könnte ein Verhältnis Abgebildet werden, dass nicht nur das Individuum mit dem Staat verbindet, sondern auch das Individuum mit dem Land. In einer Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen, die ich mir kürzlich einverleibt habe, sagte jemand es sei ihm unangenehm dem Staat gegenüber in ein Schuldverhältnis gezwungen zu werden. Dabei erscheint es mir sehr Sinnvoll ein Verhältnis zwischen den Individuen und den Ressourcen zu schaffen, in dem das Individuum ein Gefühl der Verantwortung gegenüber diesen Ressourcen beziehungsweise den zukünftigen Generationen, die den Anspruch auf diese Ressourcen teilen, wahrzunehmen. Oder, wenn sie diese Verantwortung nicht wahrnehmen, auch eine Schuld zu verspüren. Denn wir Tragen die Schuld für die Zerstörung dieser Ressourcen. Wir haben es bloß geschafft ein System zu etablieren in dem wir diese Schuld aus unserem Alltag weg abstrahieren können.

Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte eine Art Miete sein, die die Gemeinschaft den natürlichen Besitzern des Landes zahlt um diese dafür zu entschädigen, dass sie eben nicht mehr aus der Natur leben können. Eine Art Kultur-Dividende an die Natur.

#RKK009 #RitaKimmkornsKolumne009 #bge #bedingungslosesGrundeinkommen #naturrecht
Veröffentlicht am: 18 Oktober 2020

Was bedeutet Reichtum?
Friedrich Merz, also known to my fellow Leserinnen as #Fotzenfritz, hat sich vor einer Weile zu der Aussage hinreißen lassen er gehöre der oberen Mittelschicht an. So fern das keine gezielte Provokation war, halte ich es also für geboten anzunehmen, dass Herr Merz sich selbst nicht für reich hält. Das mag nun richtig oder Falsch sein, auf jeden Fall ist es bemerkenswert, weil Herr Merz einen Lebensstiel pflegt bei dem das durchschnittliche Monatseinkommen meiner verehrten Leserinnen wegen Geringfügigkeit nicht mal auf der Spesenabrechnung erscheint.

Der Begriff des Reichtums ist für mich als solcher faszinierend, weil er in seiner Absolutheit eine boolesche Logik impliziert; Der Begriff der Reichtums ist auf der Bedeutungsebene so eng mit seinem Inversen, der Armut, verknüpft, dass in der Zuschreibung des einen automatisch eine Negation des anderen beinhaltet.

Das, was in der Armut/Reichtums Dualität ausgedrückt wird ist eine Relation, in diesem Fall die Relation zwischen dem was das Subjekt besitzt, und dem, was die Objekte, auf die sich die Relation bezieht, besitzen. Die aussagen “Jemand ist arm” und “Jemand ist reich” sind immer Abhängig von dem Kontext, wer mit wem spricht. Ähnlich wie der Satz “Tommy ist größer” allein für sich keine verwertbare Aussage enthält; wenn man jedoch dazu weiß, dass Pipi diesen Satz zu Annika sagt, nachdem sie ihre Körpergröße mit einem Zollstock gemessen hat, erscheint es auch überflüssig die komplette Relation mit allen beteiligten zu benennen; alle beteiligten wissen ja, worum es geht.

Die Frage, die hinter diesem Ganzen grammatikalischen Wirrwarr steht ist folgende: Wo ziehen wir die Grenze? In Welche Einheiten wollen wir die Menschheit einteilen? Ich denke es könnte zunächst hilfreich sein, wenn wir uns klar machen, dass diese Einteilung in Arm und Reich, die wir hier vornehmen, vollkommen Willkürlich ist. Unser empfindenden ist in dieser Frage sehr geprägt von dem, was wir selbst besitzen, und von dem, was unser wahrnehmbares Umfeld scheinbar besitzt. Nichts desto trotz ist dieses Empfinden subjektiv und von Individuum zu Individuum so unterschiedlich, dass es nicht als Maßstab für diese Einteilung taugt.

Was aber wäre ein Sinnvoller Maßstab? Und wir Berechnen wir überhaupt den Reichtum? Einkommen? Vermögen? Physisches Eigentum? Berufliches Potential? All diese Dinge scheinen viel zu Komplex miteinander verzahnt zu sein um sie in einer vereinheitlichenden Formel unter einen Hut zu bekommen. Noch dazu Zeigt sich schnell ein weiteres Problem: Reichtum neigt dazu unsichtbar zu werden, wenn er ein gewissen Maß übersteigt. Geld lässt sich sehr leicht verstecken, deshalb ist es ja so praktisch.

Eine Einteilung, die aus meiner Perspektive Sinnvoll erscheint, wäre z.b. eine angenommene obere grenze für Beträge, die sich mit eigener Hände Arbeit erwirtschaften lassen. Die höchsten Gehälter, die in Reichtums-Debatten immer wieder gern herangezogen werden, sind die von Profi Fußballern, die, ob nun angemessener Weise oder nicht, absurde Summen verdienen. Aber auch diese absurden Summen halten sich in Relation zu den Vermögen sogenannter “Super Reicher” in bescheidenen Grenzen. Es ist durchaus möglich, 100 Millionen Euro in einem Leben zu verdienen, wenn man einer der besten Fußballspieler der Welt ist. Aber mehr auch nicht. Wer mehr besitzt, als 100 Millionen Euro ist in meinen Augen unbestreitbar Reich. So reich, das ich es sehr berechtigt finde zu fragen, ob diese Art von Reichtum überhaupt zu rechtfertigen ist. Denn das ist sie in meinen Augen nicht.

Jemand, dem nachgesagt wird sehr reich zu sein, sagte mal die Welt befinde sich in einem Krieg zwischen den Armen und den Reichen, den die Reichen begonnen hätten und gewinnen werden. Ich Frage mich, wen er mit den Reichen meinte. Meinte er mich? Sicherlich nicht, denn ich habe niemandem den Krieg erklärt. Nein, er mein Menschen, die er als reich empfindet, weil sie Reicher sind als er.

#RKK008 #RitaKimmkornsKolumne008
Veröffentlicht am: 17 Oktober 2020
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Die Zukunft des Automobils
Kommt das selbstfahrende Auto nun? Bisher habe ich noch keines in echt gesehen. Nur einen Porno, in dem Leute in einem Tesla Sex haben, während dieser autonom über eine leere Landstraße fährt. Nur mittelmäßig beeindruckend.

Richard David Precht hat seine Meinung zu selbstfahrenden Autos scheinbar revidiert. Das Problem, das er vorher nicht gesehen hat, sein die Fußgänger. All die Menschen, die in den Städten wohnen und folglich auch über die Straßen gehen. Es sei zwar theoretisch möglich, die alle zu erkennen und dafür zu sorgen, dass die Autos nicht unnötig viele Fußgänger tot fahren – aber dafür sein so viele Kameras und Sensoren nötig, dass dies einer totalen Überwachung von allem gleich käme und die Leute, insbesondere die Deutschen, sich eine solche totale Überwachung nicht gefallen lassen würden.

Nun, bei dem Letzten Punkt bin ich mir nicht so sicher. Auch jetzt schon laufen wir alle freiwillig permanent mit Geräten durch die Gegend, die man Verbrechern zu Columbos Zeiten noch mühsam unter mogeln musste um sie zu verfolgen und abzuhören. Aber auch ich sehe keine Zukunft für selbstfahrende Autos in deutschen Großstädten, zumindest nicht in den nächsten zwanzig Jahren. Bevor die Stammwählerschaft von CDU und SPD friedlich ein schläft wird sich in diesem Land nichts verändern, und gerade bedeutet das: Mehr Autos. Egal welche. Hauptsache mehr.

Der Harken an dieser Strategie, die uns immerhin zu einem der Reichsten Länder der Welt gemacht hat: Der Markt an Autos ist gedeckt. Wer ein Auto haben will, hat ein Auto. Es gibt auf diesem Planeten seit einer ganzen weile mehr Autos als Menschen, die Autos haben wollen. Wenn man noch jemandem ein Auto andrehen will muss man sich also Tricks überlegen. Und selbst dann muss man sich irgendwann eingestehen, dass dieses Geschäftsfeld nun ausreichend abgeackert ist. Und das wird zu Problemen führen.

Erstaunlich viele Deutsche leben direkt oder in direkt von der Herstellung von Autos. Wenn weiteres Wachstum ausbleibt – und das wird es früher oder später, denn nichts kann ewig wachsen – dann wird auch der Lebensunterhalt dieser Menschen bedroht. Diese Angst wird so langsam spürbar. Man kann sie förmlich riechen, sie mieft aus den gehackten Abgasfiltern der VW Autos und ihr Gestank zieht bis ins grüne Baden Württemberg, wo Winfried Kretschmann sich auf dem Rücksitz seiner deutschen Limousine einen schleudert. Die Angst ist da. Die Industrie weiß, dass es so nicht weiter geht. Aber sie weiß auch, dass es dumm wäre nicht das letzte bisschen Geld aus dem Schiff zu tragen, bevor es ganz versinkt. Und deshalb bleiben sie. Deshalb gehen sie keine Risiken ein, Setzen nicht auf Innovation sondern auf Boni und versuchen zu retten, was zu retten ist. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.

Und zurück bleiben wir in Städten deren Straßen voll gestopft sind mit Tonnen Schweren Blechkisten, in denen fast nie jemand sitzt. Und wenn doch, dann um im Stau zu stehen. Auch für uns ist klar: Es geht so nicht weiter. Wir brauchen Veränderungen. Wir brauchen mehr öffentliche Verkehrsmittel, mehr Radwege, billigere Taxis, und einfach mehr Platz in den Straßen um mit dem Kinderwagen auf dem Bürgersteig zu passen ohne uns an Panzern vorbei quetschen zu müssen. Uns allen ist das klar, und wir alle meckern. Und trotzdem müssen wir mit dem Auto nun mal zur Arbeit fahren, und das Kind zur Kita bringen, und eine Garage gibt es nicht in der Nähe.

Ich habe gehört in Japan dürfe man nur ein Auto kaufen, wenn man nachweisen könnte, dass man eine ausreichend große Garage hat in der man das Auto unterbringen kann. Und dass die Versicherungspreise für Autos nach der Grundfläche berechnet würden, die dieses einnimmt – so dass kleinere Autos deutlich billiger sind als große. Das klingt für mich mal nach einer wirklich konstruktiven Idee. Schlau, diese Japaner, nicht?

Ist TERF eine Beleidigung?
#TERF – das steht für Trans Exclusionary Radical Feminist. Also eine radikale Feministin, deren Feministische Forderungen Transsexuelle Menschen nicht mit einschließen. Für eine Beleidigung ist das eine ganz schön präzise Einordnung des Standpunktes der Beleidigten. Und doch scheinen manche Menschen empfindlich zu reagieren, wenn sie als TERF bezeichnet werden. Meine Lieblingsautorin #JKRowling nahm diese Bezeichnung zum Anlass es sich mit der queeren Twitter Bubble zu verscherzen.

Die typische Reaktion der als TERF bezeichneten ist nicht Leugnung, sondern Rechtfertigung. Relativierung. Whatabouttism. Aber eben auch eine Grundsatzdiskussion, die sich schon seit Jahrzehnten durch den Feminismus zieht und alle Nase lang in einem neuen Gewand daher kommt: Was ist Weiblichkeit? Was bedeutet es eine Frau zu sein? Was bedeutet #Feminismus?

Ich kann diese Frage nicht erschöpfend beantworten, deshalb werde ich es gar nicht erst versuchen. Die Frage, worin genau Feministinnen sich unterscheiden, bringt uns nicht vorwärts. Die viel spannendere Frage ist doch, was die Gemeinsamkeiten sind.

Und Gemeinsamkeiten gibt es doch reichlich. Wir alle wollen anziehen können, was wir wollen, ohne belästigt zu werden. Wir wollen auf der Toilette unsere Ruhe, und wenn wir ehrlich sind, auch WLAN. Und wir wollen mindestens genau so viel verdienen wie unsere Kollegen.

Ich denke, dass die Frage, ob Transfrauen nun echte Frauen sind, schlicht zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Am Ende ist es doch egal. Denn am Ende sollte es egal sein, ob jemand eine Frau ist, oder nicht. Und so lange das nicht egal ist, brauchen wir Feminismus. Also hört auf euch zu streiten und geht zusammen auf die Straße. Mit Maske und so. Im übertragenden Sinne.

Fuck Gun ConTROLL 9mm
Ich möchte heute ein bisschen über Waffen nachdenken. Ich habe starke Überzeugungen, was Waffen angeht, aber ich bin gewillt, diese zu hinterfragen. Überzeugungen, die ich seit mehr als einem Jahrzehnt in mir trage, können eigentlich nicht mehr aktuell sein, und müssen regelmäßig dahingehend überprüft werden, ob sie in Anbetracht der neueren technischen Entwicklungen noch immer sinnvoll erscheinen.

An verschiedenen Fronten des technischen Fortschritts hat sich einiges verändert, was Waffen angeht. Die Grundlegendste Veränderung betrifft vielleicht die Definition des Begriffes Waffe. Was ist eine Waffe? Wie immer im Leben hängt die Antwort auf diese Frage von der Perspektive des Betrachters ab. Für US Amerikaner scheint mit Waffe immer eine Schusswaffe gemeint zu sein, die der Staat einer freien Bürgerin abnehmen möchte, damit sie damit keine anderen freien Bürgerinnen erschießt. Für Insassinnen von Haftanstalten kann als Waffe schon eine angespitzte Zahnbürste ausreichen um ernsthafte Schwierigkeiten für alle Beteiligten zu erzeugen. In Europa ist zunehmend die Rede von geflüchteten Menschen, die durch systematische Vertreibung als Waffe benutzt werden. Und wenn irgendwo eine wichtige Behörde mal wieder vergessen hat ihr ungepatchtes Windows 98 vom Netz zu nehmen und durch ein Scriptkiddie und die Abwesenheit von Backups lahm gelegt werden ist auch all zu Schnell die Rede von Cyberwaffen und moderner Kriegsführung. Die Fronten verschieben sich.

Auf der einen Seite der Welt sitzen ungefickte weiße Jugendliche vor ihren rauchenden 3D Druckern um mit selbst gebastelten automatischen Waffen möglichst viele Juden zu scoren, während auf der anderen Seite schwarze Kinder drinnen am Fenster sitzen und auf Wolken warten, weil sie sich bei klarem Himmel aus Angst aus dem nichts von einer Killer Drohne in die Luft gesprengt zu werden nicht raus trauen.

Wie soll man in diesem Kuddelmuddel der Komplexität eine Position finden, die nicht ob ihrer eigenen Heuchelei würgen muss? Wie wäre es mit: Hört jetzt verdammt noch mal einfach alle auf euch gegenseitig umzubringen? Auch diese Position wirkt zynisch, wenn ich sie mit meinen frisch gemachten Fingernägeln in mein Macbook tippe während ich an einem der friedlichsten Orte der Welt in der Sonne sitze. Aber was soll ich tun? Friede sei mit euch.

Baut keine Waffen.

re: Ist Telegram die letzte Bastion der Meinungsfreiheit im Messenger Dschungel?
@textbook Mit offen meine ich in diesem Kontext das Zielpublikum, das zumindest theoretisch öffentlich ist.

Im Gegensatz zu den Inhalten eines Messengers, die zumindest Prinzipiell nur den Gesprächspartnern zugänglich sein sollten.

In der Hinsicht würde ich Telegram dann eher mit Mastodon vergleichen, als mit XMPP, weil es eben die Möglichkeit bietet einen kaum zensier baren, aber doch einigermaßen öffentlich abrufbaren Feed erstellen zu können.

War der Lockdown umsonst?
Spitzfindige Leserinnen haben schon das “Es gab keinen Lockdown” in den Fingern, wenn sie diese Überschrift lesen. Ich auch. Lockdown ist kein passender Begriff um die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Deutschland in diesem Frühling prägten, zu beschreiben. Es wurde niemand eingesperrt, nur Leute ausgesperrt, wenn es zu voll wurde. Das ist ein feiner, aber doch gelegentlich existenzieller Unterschied.

Wie dem auch sei – hat es sich gelohnt? Das ist, wie eigentlich alles im Leben, eine Frage der Perspektive. Aus politischer Perspektive sicherlich nicht. Es gibt keine Helden in der Epidemiologie. Ich denke diese Epidemie hat niemandem, der sie ernst genommen hat, einen politischen Vorteil verschafft.

Jetzt gerade gibt es in Deutschland mehr Fälle, als auf den Höhepunkt der ersten Welle. Wenn wir sofort ähnlich effektive Maßnahmen ergreifen, wie zu beginn der ersten Welle, dann könnte man die Effekte dessen vermutlich in etwa zwei Wochen messen. Aber in zwei Wochen kann viel passieren.

Die Frage, ob es sich gelohnt hat, überhaupt auf die Ausbreitung des Virus zu reagieren, wird aus der Retrospektive ein wenig davon abhängen, wie es jetzt weiter geht. Wenn in den nächsten Monaten und Jahren ohnehin tausende Menschen sterben, weil wir jetzt einfach Aufgeben die Ausbreitung zu verhindern, wird das tatsächlich ziemlich sinnlos erscheinen.

Wenn wir es hingegen schaffen,

Okay. Wem mache ich hier was vor? Mir selbst? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht. Deutschland ist noch weiter von einer sinnvollen Eindämmungs-Strategie weg, als am Anfang des Jahres. Niemand weiß, was zu tun ist, und es hat auch niemand so richtig die Macht irgendetwas sinnvolles zu tun. Das ist der Harken am Föderalismus. Die Schulen bleiben offen, bis jemand stirbt. Die Maschine muss rollen. Deutschland ist eine Maschine. Oben kippt man Leben rein, und unten kommen Autos raus. Daran wird Auch so ein Virus nichts ändern.


#corona #covid #covidioten #maskenpflicht #schulen #lockdown #shutdown #deutschland #pandemie

Ist Telegram die letzte Bastion der Meinungsfreiheit im Messenger Dschungel?
Nein. Natürlich nicht. Dennoch scheint ein immer größerer Teil des Meinungsspektrums, dass unseren Täglichen Diskurs prägt, auf Telegram statt zu finden. Und das finde ich aus einer ganzen Reihe von Gründen besorgniserregend.

Telegram ist eigentlich ein Messenger. Ein billiger Ersatz für SMS und Email. Ein Programm, das man benutzt um mit Leuten zu kommunizieren, die man schon kennt. Aber zunehmend locken durchaus eher fragwürdige Meinungsbildungsangebote Nutzer offener sozialer Netzwerke wie Twitter oder Instagram ihre Gefolgschaft zu ihren Telegram Kanälen.

Ich halte diese Bewegung für ein Resultat des Netzwerk-Durchsetzungs-Gesetzes, das so langsam spürbare Effekte Zeigt. Langsam, aber stetig, werden mehr und mehr Meinungen, die am Rande der Menschenfeindlichkeit entlang tänzeln, aus den etablierten Sozialen Medien getilgt. Atila Hidlmans Twitter Account ist schon lange passe, und vielleicht war das der Moment, in dem A.H. in die Welt der Angst abgedriftet ist: Als er zu Telegram Wechselte, wo ihn zwar nach wie vor alle hören konnten, die das wollten, aber ihm niemand mehr antworten konnte. Einseitige Kommunikation hat auch Vorteile, aber manchmal ist Feedback echt wichtig. Produktives Feedback, keine dekonstruktive Ablehnung, so berechtigt diese im Gesamtkontext auch sein mag.

Wem gehört Telegram eigentlich? Laut Wikipedia einem Milliardär, der in Russland geboren wurde und jetzt in irgendeinem exotischen Inselstaat seine Steuern bezahlt. Das ist keine befriedigende Antwort in einem geopolitischen Kontext. Die bessere Frage wäre: Wer hat alles Zugriff auf die Metadaten von Telegram?

Nun, ich kann schon mal verraten, wer den Zugang vermutlich nicht hat: Aus China ist Telegram nicht benutzbar. Auch aus Hongkong wurden in den letzten Jahren immer wieder Schwierigkeiten bei der Benutzung von Telegram gemeldet. Menschen aus dem Iran berichten schon länger von der Notwendigkeit eines VPN um überhaupt sinnvoll im Netz unterwegs zu sein, angeblich werden sogar SMS von Telegram zur Registrierung von Konten im Iran geblockt. Auch in Russland scheint man nicht besonders interessiert daran die Erreichbarkeit dieses Dienstes hoch zu halten. Was mich daran zweifeln lässt, dass DER RUSSE hinter Telegram steckt. Aber wer dann?

Und womit genau verdient Telegram eigentlich Geld? Was ist das Geschäftsmodell von Telegram? Werbung kann es ja nicht sein, zumindest habe ich noch keine zu Gesicht bekommen. Fragen über Fragen. Was bleibt ist das Fazit, dass man auf Telegram eigentlich alles Hochladen kann. Musik, Filme, Serien, Computerspiele, unsignierte .apk Datein, die wahrscheinlich Viren enthalten, oder auch einfach .apk Datein die auf jeden Fall Viren enthalten. Es gibt unzählige rechte, rechtsextreme, und einfach absurde Kanäle und Gruppen im Telegram Universum, trading Tips, und Gruppen in denen regional oder auch international Drogen feil geboten werden. All das unter Angabe der Telefonnummer, absolut unverschlüsselt und für immer und ewig in der Cloud gespeichert.

Ich denke bei dieser Kiste ist Vorsicht geboten, Meinungsfreiheit hin oder her.

#Twitter #Telegram #Hildmann #Messenger # Signal #Whatsapp #meinungsFreiheit

Black lives matter - Wie viel bedeutet ein leben?
Back lives matter. Blue lives matter. All lives matter. Etwas an dieser Formulierung stört mich. Alle leben zählen. Alle Leben bedeuten etwas. Ja, aber was denn? Oder, wie viel zählen sie? Die Frage ist doch nicht, ob Leben etwas bedeuten, sondern wie viel. Das Problem mit dem Rassismus scheint doch zu sein, dass die Leben von weißen Menschen mehr zählen, als die aller anderen.

Und das wundert mich, denn dann wäre es doch viel sinnvoller so was zu forden wie #BlackLivesAreEqual. Aber Nein. Es heißt #BlackLivesMatter. Und da wurde es mir klar. Schwarze Leben zählen einfach gar nicht. Nicht mal weniger, sondern gar nicht. Und das ist das eigentliche Problem. Durch diese Perspektive wird so ein Unsinn wie #BlueLivesMatter oder #AllLivesMatter noch abstruser. Ja, alle leben zählen, auch die von Menschen in Uniform, aber das ist nicht der Punkt! Alle sollten gleich viel Zählen. Das ist das Ziel. So will es die Verfassung, oder Gott, oder das Volk oder wer auch immer. Ich auf jeden Fall. Und da sollte es uns doch zu denken geben, wenn Menschen nicht mal Gleichheit fordern, sondern nur noch Leben. Das ist die resignierteste aller Forderungen, die ein Mensch stellen kann. Bitte, lasst uns am leben.

Irgendjemand berühmtes hat mal gesagt, die Weißen sollen froh sein, dass die Schwarzen nur Gleichheit wollen anstatt Rache. Ich finde, die Weißen sollten sich dafür Schämen, dass die Schwarzen nur noch Leben wollen und nicht mal mehr Gleichheit.

Deutschland im Winter
Die politische Situation in der wir uns in Deutschland derzeit befinden erscheint mir in vielerlei Hinsicht einzigartig. Die erste Pandemie, dieses Landes, oder die Zweite, wenn man HIV mal außen vor lässt, und das tun wir deutschen, denn Sex ist Schmutzig und wir haben keinen Sex, und wenn, dann reden wir nicht drüber. Außerdem bekommen doch nur Schwule und Junkies Aids, oder?

Und die Merkel tritt ab. Zum Glück erst nächstes Jahr, und zum Glück auch ohne murren. Denn einen Wahlkampf um das höchste Amt des Landes, der uns alle zwingt Partei gegeneinander zu ergreifen, ist nicht gerade das, was wir jetzt brauchen. Was genau das ist, dieses "was wir jetzt brauchen", das weis ich auch nicht so genau. Auf jeden Fall nach wie vor eine Menge Masken, Klopapier und Geduld. Davon werden wir noch einiges brauchen.

Der nächste Lockdown scheint unvermeidbar, aber alle versuchen so lange wie möglich das hinaus zu zögern in dem sie nicht darüber nachdenken, so lange es noch irgendwie geht. Wir reden noch darüber, was wir alles wieder machen wollen, wenn das alles vorbei ist, dabei ist eines Sicher: Jetzt ist es erst mal nicht vorbei. Jetzt geht es erst so richtig los. Der Winter kommt, und Game of Thrones ist vorbei. Diesmal kommt der echte Winter.

Und es wird ein harter Winter. In der Tagesschau hieß es kürzlich c.a. 5% aller Deutschen hätten repräsentativen Umfragen zufolge Anzeichen von Depressionen. Nun, das muss nicht unbedingt an der Pandemie liegen - vielleicht war das auch schon immer so. Aber trotzdem wird es hart. Stellt euch darauf ein, dass ihr an diesem Weihnachten viele Videokonferenzen mit besoffenen verwandten managen müsst. Mit denen, die noch leben.

Der Ausblick auf diesen Winter und das nächste Jahr gibt mir das Gefühl, dieser dubiose Tag X von dem die Geier in Uniform, die um Höckes Scheiß Haufen herum kreisen, so schwärmen könnte in Greifbarer Nähe sein. Und ich versuche darin etwas gutes zu sehen. Es riecht nach Veränderung. So geht es nicht weiter. Und zwar diesmal wirklich nicht. Wo die einen Probleme sehen, sehen die anderen Gelegenheiten. Geht es der Deutschland schlecht, geht es der Alternative für Deutschland gut. Einfache regel. Aber Gefahren eröffnen oft auch Möglichkeiten.

Dort, wo unsere etablierten, zentralisierten Strukturen an der Realität der Epidemiologie scheitern und zerbrechen entsteht ein neuer Raum für dezentrale Strukturen, die wir gestalten können. Neue Strukturen, die besser, nachhaltiger, und fairer sein können, als die alten. Aber dafür müssen wir sie mit gestalten. Und wir müssen schnell sein, denn wenn wir es nicht sind, werden andere kommen und den neu entstandenen Raum vermessen, verkaufen und restlos zu Rendite verarbeiten, bevor wir "aber was ist mit den Daten" auch nur denken können.

Also seit auf der Hut. Immer Wachsam, und zieht euch warm an, denn der Winter naht.

Hallo Welt #introduction #vorstellung
Hallo,

ich habe so eben beschlossen, dass es an der Zeit ist eine Kolumne zu schreiben.

Deshalb gibt es hier von nun an meine spitzfindigen Kolumnen zum Weltgeschehen. Ich wünsche euch viel Spaß mit meinen Künftigen Worten, verehrte Leserinnen, und ich hoffe ihr wisst sie zu schätzen, denn es fließt einiges an Gehirnschmalz in sie hinein.

Ich denke quasi pausenlos, und denken ist anstrengend.

Wie dem auch sei: Herzlich willkommen in meiner Welt!

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